verkaufen
Unlängst las ich einen Artikel in der neuen Phase 2. Dort wurde von dem Verkauf von Körpern und Körperteilen geschrieben, und Wert gelegt auf eine tendenziell materialistische Kritik. Der Text (”Warenförmige Körper” von Erika Feyerabend) beginnt mit einem historischen Abriss über das verkaufen von Körpern. Die Redax der Phase zwei nun, hat den Text unter einer Sparte eingeordnet die ‘brave new World’ heisst um damit wahrscheinlich, wider dem Inhalt, zu suggerieren dass es sich hier um den ‘neuesten Shit’ handele. Wie die geneigte Leserin aber schon vermuten kann geht es im ersten Teil wirklich um Prostitution, was bekanntlich nicht die neueste Entwicklung der Geschichte ist. Nebenbei seien der Verkauf intelektueller Arbeit und das sich verkaufen auf dem Arbeitsmarkt noch tradierte Produkte der “Bio-Ökonomie”.
“Die Begründungen der neuen Zeitspanne, die zwischen dem behaupteten Ende der ‘Person’ (dem Ausfall der Hirntätigkeit) und der Wiederverwertbarkeit der Organe (dem Zusammenbruch des gesamten Herz-Kreislaufsystems) liegt, waren rein pragmatischer Art.” Denn ‘konventionelle’ Todeskriterien würden “der Organbeschaffung im Wege stehen.” Diese und weitere Argumente gegen das verwertbar machen von Körpern, wie zum Beispiel die Ausweitung pränataler Diagnostik die “individuelle Erkrankungsrisiken” vorhersagen und “präventives Eingreifen möglich” machen solle um damit einen gewissen “Bevölkerungs-Substanz-Körper” zu ‘pflegen’, finde ich nachvollziehbar.
Wo ist aber die wirklich neue Qualität die dieser Text aufzeigen möchte? Blut- und Blutplasmaspenden sind gegen ‘Aufwandsentschädigungen’ (ca. 15-20 €) in Westeuropa mindestens seit Jahrzehnten gang und gäbe. Und lassen die Tatsache das im Iran “rund $ 2000 an den Organgeber” (im Falle: Niere) bezahlt wird, zwar krass erscheinen aber keineswegs eine neue mutige Welt erkennen. Aldous Huxley hat sein Buch am Vorabend des dritten Reiches geschrieben und damit zwar eine Ideologiekritik geübt die sich einem unkritischen Menschenbild widmet aber sich weder wirklich mit dem Verkauf von Körpern noch mit Wertkritik auseinandersetzt.
Zwar scheint der Verkauf von Organen relativ neu zu sein, könnte aber vielleicht doch letztendlich nur eine moderenere Form temporärer Entwicklung von Verwertung sein?!
“[M]oralisch betrachtet-ist er [hier: jede_R] genauso berechtigt, über sich selbst zu verfügen, wie ein Sklavenhalter durch das Recht berechtigt ist, über seinen Sklaven zu verfügen.” Marx (in den Grundrissen der Politischen Ökonomie) schreibt dazu: “Der Mensch […] ist als solcher nicht Sklave.[Kontext: Weder wirklich als Sklave-damals- noch als ‘eigener Sklavenhalter’ über sein_ihr ‘Bio-Eigentum’.] Sklave ist er in der und durch die Gesellschaft.”
Damit bleibt die Frage ob es denn wirklich noch krasser wird und der Kauf einer Niere bald günstiger wird als ein Macbook?! Ich lasse aber hier bewusst aussen vor dass heute keine Kritiker_In mehr fragt wie ‘unmoralisch’ es ist ‘ganze’ Menschen zum Zwecke der Prostitution zu verkaufen. Das sind ‘wir’ ja schon gewöhnt…

