eat this
Im Übrigen haben wir es hier auch mit dem Paradigma der klassischen revolutionären Politik zu tun, deren Ziel die Gerechtigkeit ist. Man muss zunächst eine grundlegende Auswahl akzeptieren. Hier ist es die Wahl zwischen zwei Wegen, wie die chinesischen Revolutionäre gesagt haben: dem revolutionären Weg oder dem konservativen Weg, Arbeiterklasse oder Bourgeoisie, kollektiver Handlung oder privatem Leben. Und man muss die Konsequenzen dieser Wahl annehmen: Opfer und erbitterter Kampf, keine Freiheit der Meinungen oder Lebensstile, sondern Disziplin und harte Arbeit, um die strategischen Mittel für den Sieg zu finden. Und das Resultat ist kein demokratischer Staat im landläufigen Sinne des Wortes, sondern eine Diktatur des Proletariats, die dazu dient, die Feinde niederzuschlagen. Zudem präsentiert sich dieses Paradigma als absolut universell, weil das Ziel nicht die Macht einer bestimmten Klasse oder Gruppe ist, sondern die Aufhebung aller Klassen und Ungleichheiten und schließlich das Ende des Staates selbst.
[Fraglich scheint dabei nur wie der Konnex zur Demokratie dort auftaucht: Der Text ist ansonsten eine Feierrede für die Demokratie.]
Beleidigt sind die Frankfurter Freizeitrevolutionäre, wenn sie daran gehindert werden, Nazis anzugreifen, ohne sich vorstellen zu wollen oder vorstellen zu können, was an anderen Orten geschähe, wenn der Staat auf sein Gewaltmonopol verzichtete.
Mit dem neuesten Text im Jahr 2008 zeigt die Gruppe Morgenthau wie einfach es geht Antideutsch zu sein und trotzdem nix gegen Deutschland zu haben.
Koch, der abscheulicherweise von „Ausländern“ spricht und vielen, wenn auch längst nicht mehr den allermeisten Deutschen, wenn er die widerwärtige Praxis des Abschiebens befeuert,…
Übrig bleib dass sie das Wort Ausländer “abscheulich” und Abschiebungen “widerwärtig” finden ohne schlüssigerweise eine Kritik anzuschliessen in der das Gewaltmonopol eines Staates wie Deutschland sehr wohl maßgeblich sein sollte. Stattdessen sind Ausländer_Innen die tunlichst zu Islamist_Innen werden also sehr wohl eine Gefahr für einen Staat und eine Gesellschaft und es lässt sich gut und gerne drüber schlafen ob denn Abschiebung immergleich widerwärtig ist…
///[S]ubwave, hat mich auf den Artikel aufmerksam gemacht: gar nicht schlau: die gruppe morgenthau.
Was er aber leider vergisst ist dass eine Rohheit der Sprache zwar aus materialistischer Sicht nicht bedeutend für den Inhalt ist, aber sehr wohl in ihrem Effekt Kommunikation einschränken kann. Ob bei Koch oder bei “Islamist_Innen” ist dann egal.
Während die Antifa weiterhin jedes Jahr die gleichen Aufrufe schreibt um dem rechten Stream zu widersprechen, ist ein relativ interessanter Artikel in der NZZ erschienen der sich lohnt.
Drückt sich im angstvollen Festklammern an einer idealisierten Vergangenheit in Form von regionalen Bau-Ikonen doch mitunter gar Revisionismus aus. Mit der architektonischen Vergangenheitsbeschwörung soll dabei die Verlorenheit der Menschen in einer kalt wirkenden globalisierten Welt gemildert werden. Unter dem Dach der Rekonstruktion wird – wie bei der Dresdner Frauenkirche – Gemeinschaft gestiftet. Doch darüber hinaus erweist sich die Rekonstruktionseuphorie als Spätwirkung einer humorlos gewordenen europäischen Postmoderne, in der sich das tiefe Misstrauen gegenüber der Moderne und ihrer Architektur, ja der Zukunft insgesamt manifestiert.
Ein Blick in die Zukunft ist der Antifa angesichts der großen Neo-Nazi-Veranstaltungen wohl kaum möglich. Aber ich fände es interessanter wenn mensch eine fundamentalere Kritik erkennen und diese langweiligen Bestandsaufnahmen weglassen könnte. Der Artikel beleuchtet nur einen klitzekleinen Aspekt einer Analyse zum Deutschen Bombenkrieg. Mindestens aber lässt sich sagen dass die Frauenkirche in Dresden ein wichtiger Teil revisionistischer Kultur ist: Sie repräsentiert den 13. Februar weiterhin maßgeblich indem ihre Wiederaufrichtung der Deutschen letzter Abschuss ist. Bei Dresdener Antifa wird das nicht ernsthaft thematisiert aber verbrannt. Schade aber witzig.
In der NZZ erscheint ein Artikel über dünnfingrige Mädchen die einfach zu putzig sind um in einer Rockband zu spielen:
Ein Problem dieser Bands sind eindeutig die Bassistinnen, deren Spiel nicht mit ihrer Schönheit mithält. Ich gebe zu, eine junge Frau am Bass hat eine unglaubliche Ausstrahlung, nur durch das Instrument, die fetten Saiten, in die ihre Fingerchen greifen, die Blicke, die sie auf sich zieht, die Verweigerung aller sexuellen Konnotationen und zweideutigen Bewegungen, die für eine Rocksängerin normal wären.
Wenn sie also schon den Bass in der Hand haben und damit nicht umgehen können dann sollten sie wenigstens zweideutig-sexuell-anzüglich erscheinen. Aber:
Es ist die Situation auf der Bühne, das Männliche des Ortes und der Rituale. Die gleiche Frau wenig später im Publikum des nächsten Konzerts fällt nicht besonders auf.
…der androzentrische Status qou des Rock soll bitte aufrechterhalten werden.
“Keinen Cent 07.01.2008
BERLIN/LONDON (Eigener Bericht) - Der “faktische Boykott” der Deutschen Bahn AG und des Berliner Verkehrsministeriums gegen den “Zug der Erinnerung” löst in Europa Befremden aus. Die Bahn AG, größter Schienenlogistiker auf dem Kontinent, verlangt für das Gedenken an die europäischen Deportationsopfer des NS-Vorgängerunternehmens (”Deutsche Reichsbahn”) mehrere zehntausend Euro. So werden Gebühren für die Gleisnutzung gefordert, weil der “Zug der Erinnerung” mit einer Ausstellung über die deportierten Kinder und Jugendlichen auf dem deutschen Schienennetz fährt. Weitere Gelder werden verlangt, weil die Besucher auf dem Weg zur Ausstellung die Bahnsteige betreten. Auch für die Beleuchtung der Opferfotos und letzten Briefe im “Zug der Erinnerung” will die Bahn AG hohe Summen kassieren - insgesamt mehr als 50.000 Euro. Dieses Vorgehen hatte die deutsche Presse als “skrupellos” bezeichnet. Jetzt informieren auch ausländische Medien über die offenkundigen Versuche, den “Zug der Erinnerung” durch maßlose Finanzforderungen zum Halten zu bringen. Die Initiatoren rufen im Ausland dazu auf, Protestschreiben an die dipomatischen Vertretungen der Bundesrepublik zu richten. Der Zug soll am 8. Mai mit mehreren hundert Jugendlichen in der Gedenkstätte Auschwitz eintreffen. “Wir werden der Deutschen Bahn AG keinen Cent zahlen”, kündigen die Bürgerinitiativen in einem Interview an.”
“Obwohl auch Beauvoir den Traditionalismus Vichys verabscheute, hatte sie weniger als Sartre in puncto Résistance vorzuweisen. Vielleicht musste sie daher umso radikaler ihre neuen Überzeugungen vertreten, etwa als der Algerienkrieg ihr schlaflose Nächte bereitete, als sie regelmässig mit Sartre in die UdSSR reiste – zu einer Zeit, da sich andere längst vom sogenannten real existierenden Sozialismus abgewandt hatten – oder als sie Anfang der siebziger Jahre mit den jungen Maoisten auf die Strasse ging. Ein Satz ist es vor allem, der sie (wie Sartre) für viele inzwischen zum Symbol des politischen Irrtums hat werden lassen, auch wenn sie sich später zu moderateren Positionen bekannte. Um im Jahre 1954, als sie mit Sartre die Kommunistische Partei unterstützte, das «rechte Denken» zu charakterisieren, schrieb sie in den «Temps modernes»: «Die Wahrheit ist unteilbar, der Irrtum vielfältig. Es ist kein Zufall, dass die Rechte sich zum Pluralismus bekennt.» Zumindest aus heutiger Sicht kann man kaum jenen widersprechen, die in diesem Zitat eine Verwandtschaft mit totalitärem Denken erkennen.”
aus NZZ 5. Januar