Leichen im Keller
Je länger die Diktatur war, desto länger scheint es zu dauern, bis die Gesellschaft eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Angriff zu nehmen wagt. Es geht auch nicht, solange die Täter noch leben, solange sie womöglich noch gebraucht werden, als Richter, Lehrer und Eltern. Außerdem gibt es eine Ökonomie der Gefühle. Man kann nicht sich dem Wiederaufbau widmen und zugleich kritisch zurückblicken. Es braucht eine neue Generation, die sich fragt, “was riecht’s hier so sonderbar?”, dann auf die Kellertür zugeht, sie öffnet und sich die dort versteckten Leichen ansieht.
dort: fr-online 24.9.

